Nassfutter oder Trockenfutter Was Ihre Katze wirklich braucht

Nassfutter oder Trockenfutter? Was Ihre Katze wirklich braucht

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Die Frage nach dem richtigen Futter ist unter uns „Dosenöffnern“ fast schon eine Glaubensfrage. Geht man in einen deutschen Fachhandel, steht man vor riesigen Regalen voller bunter Tüten und Dosen. Doch was ist marketing und was ist wirklich gesund für unsere Samtpfoten?

Als ich damals in der Tierklinik gearbeitet habe, kamen täglich Katzen mit Harnwegsproblemen oder Übergewicht zu uns – und oft lag die Ursache direkt im Napf. Auch bei meinen beiden Schätzen, Jaro und Kira, achte ich penibel auf die Zusammensetzung. In diesem ausführlichen Ratgeber klären wir ein für alle Mal, ob Nassfutter oder Trockenfutter die Nase vorn hat und warum die Antwort nicht so einfach ist, wie sie auf der Packung steht.

1. Trockenfutter (TroFu): Praktisch, aber mit Tücken

Trockenfutter ist der Inbegriff von Komfort. Es ist sauber, riecht kaum und kann den ganzen Tag stehen bleiben. Doch schauen wir uns die psychologischen und physiologischen Aspekte genauer an.

Die Vorteile von Trockenfutter

  • Haltbarkeit und Hygiene: Gerade für Berufstätige ist es ideal, da es auch im Sommer nicht verdirbt, wenn es einige Stunden im Napf liegt.
  • Energiedichte: Es liefert viel Energie auf kleinem Raum, was bei untergewichtigen Katzen ein Vorteil sein kann.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: In der Regel ist Trockenfutter pro Mahlzeit günstiger als hochwertige Dosen.

Das Märchen von der Zahnpflege

Viele Hersteller werben damit, dass Trockenfutter die Zähne reinigt. Kamillas Experten-Check: Das stimmt meistens nicht! Die meisten Katzen schlucken die Pellets im Ganzen oder knacken sie nur einmal kurz. Der Abrieb ist minimal. Es ist, als würden wir versuchen, unsere Zähne durch das Essen von Keksen zu putzen. Für die Zahngesundheit ist Rohfleisch oder spezielles Kauspielzeug weitaus effektiver.

2. Nassfutter (NaFu): Der natürliche Favorit

Wenn wir uns die Vorfahren unserer Hauskatzen ansehen, wird klar: In der Wüste gab es keine Pellets. Katzen haben ihren Flüssigkeitsbedarf fast ausschließlich über ihre Beutetiere (Mäuse, Vögel) gedeckt, die zu etwa 70-80 % aus Wasser bestehen.

Warum Nassfutter der Gesundheit schmeichelt

  • Flüssigkeitshaushalt: Katzen sind „Trinkfaule“. Nassfutter liefert die nötige Feuchtigkeit direkt mit. Das entlastet die Nieren und beugt Harnsteinen vor.
  • Artgerechte Proteine: Hochwertiges Nassfutter besteht meist aus viel Fleisch und weniger Kohlenhydraten (Getreide), was dem natürlichen Speiseplan der Katze entspricht.
  • Akzeptanz: Selbst wählerische Fellnasen wie meine Kira lassen für ein hochwertiges Lamm-Gulasch aus der Dose alles stehen.

3. Der große Vergleich: Nährstoffe und Inhaltsstoffe

Ein entscheidender Unterschied liegt in der Zusammensetzung. Um Trockenfutter-Pellets herzustellen, wird oft viel Stärke (Kohlenhydrate) benötigt.

MerkmalTrockenfutterNassfutter
Wassergehaltca. 10 %ca. 75 % – 80 %
KohlenhydrateOft sehr hoch (Getreide/Kartoffel)Meist sehr niedrig
ProteingehaltKonzentriert, oft pflanzlichMeist tierisch und hochwertig
KalorienHoch (Gefahr von Übergewicht)Niedriger (Sättigungsgefühl)

Katzen sind obligate Fleischfresser. Ihr Stoffwechsel ist darauf ausgelegt, Energie aus Proteinen und Fetten zu gewinnen, nicht aus Kohlenhydraten. Zu viel Getreide im Futter kann langfristig zu Diabetes und Adipositas führen.

4. Die Gefahr der Dehydration und Nierenerkrankungen

Dies ist ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt. Katzen haben ein sehr schwach ausgeprägtes Durstgefühl. Wenn eine Katze nur Trockenfutter frisst, müsste sie die dreifache Menge an Wasser trinken, um den Feuchtigkeitsverlust auszugleichen. Das schaffen die wenigsten.

Die Folge ist eine ständige, leichte Dehydration. Der Urin wird konzentrierter, was die Bildung von Struvitsteinen und langfristig Chronische Nierenerkrankungen (CNE) begünstigt. Wer also hauptsächlich Trockenfutter füttert, sollte unbedingt mehrere Trinkbrunnen in der Wohnung aufstellen.

5. Mischfütterung: Das Beste aus beiden Welten?

Viele Experten in Deutschland empfehlen heute die sogenannte Mischfütterung. Das bedeutet, dass die Katze sowohl Nass- als auch Trockenfutter bekommt – aber zu unterschiedlichen Zeiten.

Kamillas Empfehlung für den Alltag:

Morgens und abends gibt es eine hochwertige Portion Nassfutter für die Flüssigkeitsversorgung. Tagsüber, wenn Sie bei der Arbeit sind, kann eine kleine Portion Trockenfutter in einem Fummelbrett (Intelligenzspielzeug) angeboten werden. So muss die Katze für ihr Futter arbeiten und ist geistig ausgelastet.

6. Worauf Sie beim Kauf achten müssen (Das Kleingedruckte)

Egal ob Dose oder Tüte: Die Qualität entscheidet. Achten Sie auf der Verpackung auf folgende Kriterien:

  1. Kein Zucker: Zucker hat im Katzenfutter nichts zu suchen! Er dient nur der Optik für den Menschen und macht die Zähne kaputt.
  2. Getreidefrei: Katzen brauchen keinen Weizen oder Mais.
  3. Klare Deklaration: Es sollte „70 % Hühnerfleisch“ stehen und nicht „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ (was Hufe, Schnäbel oder Federn bedeuten kann).

7. Besonderheiten je nach Lebensphase

Kitten (Kätzchen)

Sie brauchen viel Energie für das Wachstum. Eine Kombination ist ideal, um sie an verschiedene Texturen zu gewöhnen und späterer Mäkeligkeit vorzubeugen.

Senioren (Ältere Katzen)

Ältere Katzen haben oft schlechtere Zähne und trinken noch weniger. Für sie ist Nassfutter fast immer die bessere Wahl, da es leichter zu kauen und besser für die Nieren ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Trockenfutter wirklich schlecht für die Nieren?

Nicht direkt, aber die dadurch verursachte Dehydration ist ein großer Risikofaktor für Nierenschäden.

Kann ich Nassfutter und Trockenfutter in einem Napf mischen?

Das ist nicht empfehlenswert, da beide Futterarten unterschiedliche Verdauungszeiten haben. Dies kann bei empfindlichen Katzen zu Blähungen führen.

Wie viel Wasser sollte meine Katze trinken?

Eine Katze braucht ca. 50 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Nassfütterung deckt sie den Großteil schon über das Futter ab.

Gibt es gesundes Trockenfutter?

Ja, es gibt Marken mit sehr hohem Fleischanteil und ohne Getreide. Dennoch bleibt der Mangel an Feuchtigkeit bestehen.

Fazit: Die Mischung macht’s

Es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“, aber es gibt ein „Artgerecht“. Wenn Sie mich fragen, sollte hochwertiges Nassfutter immer die Basis bilden. Es schont die Organe und entspricht der Natur unserer Stubentiger. Trockenfutter sollte eher als Ergänzung, für das Training oder zur Beschäftigung genutzt werden.

Beobachten Sie Ihren Liebling: Wie ist das Fell? Wie ist die Energie? Und vor allem: Wie sieht das Blutbild beim Tierarzt aus? Eine ausgewogene Ernährung ist die beste Krankenversicherung, die Sie Ihrem Jaro oder Ihrer Kira schenken können.Was füttern Sie? Sind Sie Team Nassfutter oder Team Trockenfutter? Schreiben Sie mir in die Kommentare – ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen!

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